Neonazis

Die Neonaziszene weist unterschiedliche Strukturen und Organisationsgrade auf. Neben einigen noch immer bestehenden neonazistischen Vereinen sind dabei Kameradschaftsstrukturen sowie so genannte "Freie Kräfte" die vorherrschenden Erscheinungsformen. Teilweise lassen sich auch überregionale Vernetzungsbestrebungen erkennen.

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Neonazistische Gruppierungen in Hessen

Als Neonazis verstehen die Verfassungsschutzbehörden jene Rechtsextremisten, die sich an der nationalsozialistischen Ideologie orientieren. Dies geschieht allerdings in unterschiedlicher Form.

Teile der Szene idealisieren die Doktrin und Politik der Person Adolf Hitler. In diesen Kreisen wird das „Dritte Reich“ als Vorbild angesehen und eine Wiederherstellung des historischen Nationalsozialismus angestrebt.

 

Andere Neonazis vertreten eine davon abweichende ideologische Weltsicht. Sie bemühen sich um eine Modernisierung bzw. Neuinterpretation der entsprechenden Lehren oder berufen sich auf alternative Strömungen innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung.

 

Bei allen bestehenden Nuancen werden die Kernelemente des historischen Nationalsozialismus wie Führerprinzip, Antisemitismus oder die Idee der „Volksgemeinschaft“ jedoch von der überwiegenden Zahl der heutigen Neonazis geteilt. Neonazis lehnen die freiheitliche demokratische Grundordnung entschieden ab. An ihre Stelle wollen sie einen autoritären Führerstaat sowie eine ethnisch homogene „Volksgemeinschaft“ setzen.

 

Organisationsform als "Freie Kräfte"

Das Konzept der Freien Kräfte ist eine Reaktion der rechtsextremistischen Szene auf staatliche Verbotsmaßnahmen. Hierbei handelt es sich in der Regel um lose Personenzusammenschlüsse von Neonazis, die sich in Teilen netzwerkartig organisieren. Bei der Selbstdarstellung nach außen und der Verbreitung ihrer Propaganda weisen sie teilweise einen hohen Grad an Professionalität auf. Andere Zusammenschlüsse sind gänzlich informeller Natur und weniger stark politisiert. Sie haben eher den Charakter von Jugendcliquen, die auf persönlichen Bekanntschaften aufbauen und deren verbindendes Element das Interesse an gemeinsamen Freizeitaktivitäten ist.

 

In Hessen  treten Freie Kräfte vorwiegend anlassbezogen, z. B. bei Demonstrationen, in Erscheinung. Es überwiegen die informellen Zusammenschlüsse.

 

Die Bezeichnung "Freie Kräfte" wird meist mit dem Namen einer Region als Synonym für die Gesamtheit der Aktivisten in einem bestimmten geographischen Raum verwendet, etwa „Freie Kräfte Schwalm-Eder“. Alternativ werden außerdem die Begriffe „Nationale Sozialisten“ oder „Freie Nationalisten“ gebraucht, etwa durch die Nationalen Sozialisten Main-Kinzig oder die Freien Nationalisten Odenwald.

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Weitere Informationen zu den einzelen Beobachtungsobjekten erhalten Sie in unserem Jahresbericht und den Publikationen des Kompetenzzentrum Rechtsextremismus (KOREX).

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