19. Herbstgespräch - Rückblick

Am Abend des 14. November 2017 fand im Plenargebäude des Hessischen Landtags in Wiesbaden das 19. traditionelle Herbstgespräch des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Hessen zum Thema „Antisemitismus. Neue Formen - Alte Ressentiments“ statt.

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Podium Herbstgespräch 2017

Bereits am Vormittag hatte die Phänomenbereichsübergreifende wissenschaftliche Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF) des LfV Hessen eine aktuelle Studie zu Erscheinungsformen und ideologischen Hintergründen antisemitischer Agitation in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und darin vor den zahlreichen Facetten und Gesichtern des heutigen Antisemitismus gewarnt.


Der Präsident des LfV Hessen Robert Schäfer griff dies in seiner Begrüßungsrede auf dem Herbstgespräch auf und sagte: „Wir müssen über diese Gesichter reden - sehr differenziert in der Sprache, unaufgeregt in der Beschreibung. Unausgesprochenes oder gar Verdrängtes schürt eben gerade Angst und grenzt aus“. Darüber hinaus betonte Schäfer die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Aufrechterhaltung des antiextremistischen Grundkonsenses: „Das Sagbare darf weder durch abrupte und/oder spektakuläre Tabubrüche noch subtil und Schritt-für-Schritt ausgeweitet werden. Gerade im Zusammenhang mit Antisemitismus darf es weder Graubereiche noch Anfänge geben. Wehret den Anfängen der Anfänge!“


Der hessische Innenminister Peter Beuth warnte in seinem Impulsvortrag ebenfalls vor den vielfältigen Facetten des Antisemitismus: „Wir müssen also feststellen, dass wir es neben dem leider lange und alt bekannten von rechts geprägten Antisemitismus und dem ebenfalls mindestens seit dem Deutschen Herbst erkannten Antisemitismus von links auch mit einem Antisemitismus unter Migranten und Muslimen zu tun haben. Allen Antisemiten müssen wir uns gleichermaßen entgegenstellen. Wer antisemitische Parolen skandiert, sich antisemitisch äußert oder antisemitische Straftaten begeht, hat sich von unserer Gesellschaft abgewandt und muss für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen werden“, so Innenminister Peter Beuth.


In der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Jörg Diehl (Spiegel Online) erörterten vor knapp 200 geladenen Besucherinnen und Besuchern Dr. Josef Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland), Esther Schapira (Journalistin, Filmemacherin und Autorin), Prof. Dr. Bassam Tibi (Politikwissenschaftler und Experte für den politischen Islam), Prof. Dr. Reinhard Schramm (Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen) und Dr. Walter Jung (Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg) die Bedeutung und Gefahren der vielfältigen Gesichter des Antisemitismus.