Die Analysestelle

Extremismus existiert nicht im luftleeren Raum. Nicht nur reagieren Extremisten auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Umbrüche und versuchen, diese in ihrem Sinne zu beeinflussen. Zahlreich sind darüber hinaus auch die Wechselwirkungen und programmatischen Überschneidungen zwischen den verschiedenen extremistischen Milieus und (Teilen) der Mehrheitsgesellschaft. Man denke nur an die mitunter breite Akzeptanz von fremdenfeindlichen Anti-Asyl-Initiativen und -Kampagnen, bis hin zu gewaltsamen Übergriffen durch bis dato völlig unbescholtene Bürger. Oder an die Tatsache, dass eine zutiefst antisemitische Hetzschrift im Frühsommer 2017 wochenlang die Buch-Bestsellerliste des größten Online-Versandhandels in Deutschland anführte. Um extremistische Phänomene wirklich zu verstehen, braucht es ein Verständnis unserer Gesellschaft insgesamt. Damit der Verfassungsschutz seiner Aufgabe als Frühwarnsystem gerecht werden kann, darf er seine Augen auch vor einschlägigen gesellschaftlichen Entwicklungen jenseits des Extremismus im engeren Sinne nicht verschließen. Die beim Landesamt für Verfassungsschutz angesiedelte Phänomenbereichsübergreifende wissenschaftliche Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF) soll hierzu einen Beitrag leisten.


Entsprechend der gesetzlichen Grundlagen des Landesamtes erfolgt dieser Beitrag ausdrücklich nicht mit nachrichtendienstlichen Mitteln. Die besondere Stärke liegt vielmehr in der Erweiterung der sicherheitsbehördlichen Perspektiven und Erkenntnisse um aktuelle sozialwissenschaftliche Analyseansätze und ‑methoden. Die Analysestelle führt regelmäßig eigene wissenschaftliche Forschungsprojekte in den genannten Themenbereichen durch.


Die Ergebnisse dienen nicht nur der internen Beratung, sondern werden auch zivilgesellschaftlichen Akteuren und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Aktuelle Veröffentlichungen der Analysestelle finden Sie hier.