Filter ohne Blase. Wie sich die rechtsextremistische Szene über das politische Tagesgeschehen informiert (2020)

„Die Medien“ gehören zu den erklärten Feindbildern der rechtsextremistischen Szene und werden oft pauschal als „Lügenpresse“ abgestempelt. Alternative mediale Angebote nehmen stetig zu und befeuern die Diskussion über ein Auseinanderbrechen westlicher Medienlandschaften in abgeschlossene „Filterblasen“ oder „Echokammern“. Die neueste Studie der Phänomenbereichsübergreifenden wissenschaftlichen Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF) des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Hessen zeigt jedoch, dass die Bedeutung dieser alternativen Medien für die untersuchten rechtsextremistischen Akteure geringer ist als erwartet, und dass sich die Szene vielfach ganz anderer Mechanismen bedient, um das politische Tagesgeschehen in ihrem Sinne darzustellen.

Untersucht wurden die Facebook-Profile und Twitter-Accounts bundesweit wichtiger rechtsextremistischer Gruppierungen und Einzelpersonen. Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie und anhand welcher Medien sich die Szene dort mit dem politischen Geschehen auseinandersetzt. Eines der Ergebnisse: Die Posts bzw. Tweets, die auf den untersuchten rechtsextremistischen Präsenzen verbreitet wurden, stammten lediglich zu einem knappen Viertel aus alternativen Medien. Trotzdem wurde das politische Geschehen dabei in einer Art und Weise präsentiert, die sich nahtlos einfügt in ein rechtsextremistisches Weltbild. Welche subtilen Strategien und Mechanismen hierfür verantwortlich sind und was für ein Bild des politischen und gesellschaftlichen Geschehens dabei entsteht, wird durch die Studie anschaulich herausgearbeitet.

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