Sonstige Beobachtungsobjekte

Im Folgenden werden weitere relevante Beobachtungsobjekte aufgeführt, wobei deren Auflistung nicht abschließend ist.

Al-Qaida (die Basis) | Al-Qaida entstand während der sowjetischen Besatzung Afghanistans (1979 bis 1989). Langjähriger Anführer war der vormals saudische Staatsangehörige Usama Bin Ladin. Al-Qaida rekrutierte sich vor allem aus arabischstämmigen Personen, die sich mit den afghanischen „Glaubenskämpfern“ verbündeten. Nach dem Tod Bin Ladins im Jahr 2011 übernahm Dr. Aiman al-Zawahiri die Führung al-Qaidas (Kern-al-Qaida).

Nach und nach schlossen sich der Kern-al-Qaida weitere jihadistische Gruppierungen an, so auch al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel ( AQAH ) und al-Qaida im islamischen Maghreb ( AQM ). Zuletzt erklärte 2012 die Terrororganisation al-Shabab in Ostafrika ihren Anschluss an al-Qaida.

Obwohl al-Qaida an Bedeutung verlor, ist davon auszugehen, dass das Terrornetzwerk weiterhin für zukünftige Attentäter inspirierend ist und für Propagandazwecke genutzt wird.
    

Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel ( AQAH ) | Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel ( AQAH ) entstand im Jahr 2009 aus einem Zusammenschluss jemenitischer und saudischer Mujahidin. Die Führung der Organisation befand sich in den Händen von Nasir Abdalkarim Abdallah al-Wuhaishi (alias Abu Basir). Über die Anzahl der Mitglieder bzw. Anhänger in Deutschland gab es keine gesicherten Zahlen.

Ziel der AQAH ist die Vertreibung ausländischer Einflüsse von der Arabischen Halbinsel sowie der Kampf gegen die von ihr als unislamisch angesehenen Regierungen, insbesondere den USA. Die Hauptaktivität der AQAH , deren Schwerpunkte im Jemen und auf der Arabischen Halbinsel lagen, war die Produktion des englischsprachigen Online-Magazins INSPIRE. Wesentlicher Bestandteil des 2010 zum ersten Mal erschienenen Magazins war die Rubrik „Open Source Jihad“:

Muslime wurden aufgerufen, mit einfachen Mitteln Anschläge in ihren „westlichen“ Aufenthaltsländern zu begehen. Mehrere Ausgaben des Magazins enthielten entsprechende Anleitungen zum Bombenbau. Bislang erschienen neun Ausgaben von INSPIRE, wobei diese 2012 nicht turnusgemäß herausgegeben wurden. Die Akteure von AQAH veröffentlichten lediglich eine Winterausgabe, was vermutlich mit dem Tod von Anwar al-Awlaqi  und Samir Khan zusammenhing. Beide sollen maßgeblich an der Erstellung von INSPIRE beteiligt gewesen sein.
    

Al-Qaida in Ostafrika: Al-Shabab | In einer im Februar veröffentlichten Videobotschaft verkündete die jihadistische Terrororganisation al-Shabab ihren Anschluss an al-Qaida. Bereits in der Vergangenheit hatte al-Shabab die ideologische Nähe zu dem Terrornetzwerk gesucht. Ursprünglich konzentrierten sich die Aktivitäten und Ziele der von Sheik Mokhtar Abdel Rahman (alias Abu Zubair) geführten al-Shabab auf die lokale oder nationale Ebene.

Mit der Machtübernahme Sheik Mokhtar Abdel Rahmans in der Organisation im Jahr 2008 propagierten die al-Shabab-Milizen erstmalig jihadistische Internet-Kampagnen, die sich an den Propagandastrategien al-Qaidas orientierten. Seitdem produzierte al-Shabab vermehrt Videobotschaften in englischer und arabischer Sprache, um ein breiteres internationales Publikum auf ihren „Kampf gegen den Westen“ aufmerksam zu machen. Zudem sollen al-Shabab-Akteure in der Vergangenheit in al-Qaida-Lagern ausgebildet worden sein.

Ziel al-Qaidas in Ostafrika ist der Sturz der provisorischen Übergangsregierung in Somalia, um ein großsomalisches Kalifat unter Einschluss der äthiopischen Region Ogaden zu errichten und sämtliche „westlichen“ Einflüsse aus dem Land zurückzudrängen.

Über die Anzahl der Mitglieder bzw. Anhänger in Deutschland gab es keine gesicherten Zahlen.
    

Al-Qaida im islamischen Maghreb ( AQM ) | Die von Abdalmalik Darduqal (alias Abu Mus’ab Abdalwadud) geführte AQM war die größte und aktivste islamistisch-terroristische Organisation im Maghreb. Mit dem Anschluss an al-Qaida einher gingen die Ausweitung der Anschlagsstrategien, so etwa der Einsatz von Selbstmordattentätern und die Ausdehnung des Zielspektrums auf ausländische Staatsbürger und Einrichtungen. Gesicherte Zahlen über die Anzahl der Mitglieder bzw. Anhänger in Deutschland lagen nicht vor. Bereits im Jahre 2006 hatte sich AQM als lokale Filiale al-Qaida angeschlossen. Die vormals unter dem Namen Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat ( GSPC ) überwiegend in Algerien agierende AQM entfaltete 2012 im gesamten nordafrikanischen Raum terroristische Aktivitäten.
    

Islamische Widerstandsbewegung (Harakat al-Muqawama al-Islamiya, HAMAS ) | Die HAMAS ist der palästinensische Zweig der Muslimbruderschaft. Sie wurde Ende der 1980er Jahre gegründet und will Israel bekämpfen bzw. vernichten und einen palästinensischen Staat islamischer Prägung errichten. Seit 2006 hat die HAMAS im Gazastreifen die Regierungsgewalt inne. Sie wird auf der EU -Terrorliste geführt. Die in Deutschland (300) und Hessen (80) lebenden Anhänger und Sympathisanten der HAMAS beschränken sich auf gewaltfreie Demonstrationen und Veranstaltungen.
    

Hizb Allah (Partei Gottes) | Das Ziel der Anfang der 1980er Jahre mit Unterstützung des Irans gegründeten schiitisch-islamistischen Organisation ist die Vernichtung Israels. Ihr politischer Arm ist Teil der libanesischen Regierung, der militärische Flügel ist für Angriffe auf Israel verantwortlich. Die in Deutschland (950) und Hessen (70) lebenden Anhänger der Organisation unterstützen diese insbesondere durch Spendensammlungen.
    

Kalifatstaat | Unter Führung Cemaleddin Kaplans (1926 bis 1995) ging der Kalifatstaat Mitte der 1990er Jahre aus dem Verband der islamischen Vereine und Gemeinden ( ICCB ) mit dem Ziel hervor, in Deutschland einen auf der Scharia beruhenden islamischen Staat zu errichten. Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele sah der Kalifatstaat als legitim an. Kaplan ernannte sich selbst zum Kalifen. Nachdem sich unter seinem Nachfolger Metin Kaplan die Ideologie weiter radikalisierte, verbot das Bundesministerium des Innern den Kalifatstaat nebst 35 Teilorganisationen 2001 und 2002. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Verbot im November 2002. Seitdem agieren die verbliebenen Anhänger in Deutschland (800) und Hessen (100) konspirativ und streben die Reorganisation der zerschlagenen Struktur an.
    

Tablighi Jama’at ( TJ ) | Die etwa 1926 in Indien von dem Religionsgelehrten Maulawi Muhammad Ilyas (1885 bis 1944) gegründete TJ ist eine transnationale islamistische Bewegung unter der Führung des Welt-Schura-Rats (Indien und Pakistan). Streng hierarchisch organisiert, hat die TJ in über 80 Ländern rund zwölf Millionen Anhänger. Weltweite Zentren befinden sich in Lahore und Raiwind (Pakistan), Neu-Delhi (Indien) und Bangladesch. Die Europa-Zentrale ist in Dewsbury (Großbritannien). Strukturen der TJ gibt es in Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Die Zahl der Anhänger betrug bundesweit etwa 700, in Hessen waren es rund 150.

Ziel der TJ ist die Errichtung eines islamischen Gottesstaats. In ihrer Ideologie bedient sie sich salafistischer Elemente. Die TJ verlangt eine buchstabengetreue Befolgung von Koran und Sunna . Ihre Anhänger müssen sich täglich mehrstündigen Koranstudien unterziehen und sich in ihrem Verhalten und Aussehen streng nach dem Vorbild Mohammeds und seiner Gefährten richten.

Hauptaktivität der TJ ist ihre Missionierungstätigkeit. Neben dem Bekehren anderer Muslime zu ihrem „richtigen“ Islamverständnis will sie neue Anhänger gewinnen, die dann Koranschulen in ihren Zentren besuchen. Dort beschäftigen sich die Anhänger intensiv mit muslimischen Glaubensgrundlagen und predigen selbst. In Hessen existiert in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) der Verein Anjuman-E-Islahul Muslemeen Deutschland e. V. als TJ -Einrichtung.