Linksextremismus

Merkmale

Die Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und die Errichtung eines totalitären, sozialistisch-kommunistischen Systems oder einer „herrschaftsfreien Gesellschaft“ sind die Ziele linksextremistischer Bestrebungen.

Orthodoxe Kommunisten – wie die Deutsche Kommunistische Partei ( DKP ) oder Strömungen in der Partei DIE LINKE. – orientieren sich an den von Karl Marx (1818 bis 1883) und Friedrich Engels (1820 bis 1895) entwickelten Lehren. Marx und Engels teilen Gesellschaften in Klassen ein und behaupten, es gebe einen andauernden „Klassenkampf“. Auf der Ausbeutung der Klasse der Arbeiter („Proletariat“) durch die Klasse der „Kapitalisten“ fußt nach Auffassung orthodoxer Kommunisten der „Kapitalismus“: Dieser führe zwangsläufig zu immer mehr Elend und Gewalt in der Gesellschaft. Er könne nur durch eine Revolution, die eine Änderung der Eigentumsverhältnisse einschließe, beseitigt werden. Durch Umverteilung des Besitzes werde die alte Ordnung absterben und sich nach und nach eine kommunistische Gesellschaft entwickeln.

Neben Marx und Engels berufen sich orthodoxe Kommunisten auf Wladimir Iljitsch Uljanow (1870 bis 1924), genannt Lenin. Dieser glaubte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Arbeiter könnten nur durch eine elitäre Kaderpartei zum richtigen Klassenbewusstsein und zu einer erfolgreichen Revolution geführt werden. Nach der Erringung der Macht sei es Aufgabe dieser Partei, mittels einer „Diktatur des Proletariats“ die kommunistische Gesellschaft zu errichten und gewaltsam gegen alle „konterrevolutionären“ Elemente zu kämpfen.

Organisationen wie die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands ( MLPD ) orientieren sich an der chinesischen Variante des Kommunismus ( Maoismus ). Die Sozialistische Alternative ( SAV ) und marx21 - Netzwerk für internationalen Sozialismus in der Partei DIE LINKE. berufen sich hingegen auf die Lehren Leo Trotzkis (1879 bis 1940, Trotzkismus ).

Anarchisten wie die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union ( FAU ) lehnen – anders als kommunistische Organisationen – jegliche Herrschaft ab. Sie sehen den Staat als unterdrückerische Zwangsinstanz, die zerschlagen werden müsse.

Die Positionen von Autonomen sind – verglichen mit denjenigen orthodox-kommunistischer Parteien – wesentlich weniger ausgefeilt. Nicht die Partei, sondern das selbstbestimmte Individuum steht bei Autonomen im Mittelpunkt („Politik der ersten Person“). Nach ihrer Auffassung muss der Einzelne ständig um seine Befreiung von strukturellen Zwängen kämpfen. Mit orthodoxen Kommunisten verbindet Autonome aber die Vorstellung von einer Welt, in der jeder nach seinen Bedürfnissen leben und sich selbst verwirklichen kann. Dazu müssten alle „Systeme“, die dem Individuum Pflichten und Zwänge auferlegen, beseitigt werden. Zu diesen „Systemen“ gehören nach dem Verständnis von Autonomen unter anderem Demokratie und rechtsstaatliches Handeln. Um ihre Ziele zu erreichen, halten Autonome die Anwendung von Gewalt für ein legitimes Mittel. Insbesondere auf Grund ihres militanten „Aktionismus“ stellen Autonome eine konstante Bedrohung für die Innere Sicherheit in Deutschland dar.