Die Nachrichtendienste der Russischen Föderation

Die Nachrichtendienste der Russischen Föderation sind seit Jahren mit einem hohen Anteil an russischen Auslandsvertretungen präsent. Die deutsche Politik, die Europäische Union, die NATO, sicherheitspolitische und militär strategische Fragen sowie die Bundeswehr sind von besonderem Interesse für russische Nachrichtendienste. Im Bereich Wirtschaft, Wissenschaft und Technik stehen die Informations-, Mikro- und Kommunikationstechnik sowie technische Neuentwicklungen im Fokus ihrer Bemühungen.

Die Organisationsstruktur und die Aufgabenstellung russischer Nachrichtendienste haben sich nicht verändert. Politische Einrichtungen sowohl der Exekutive als auch der Legislative in der EU sind nach wie vor von zentralem Interesse für die beiden russischen Auslandsnachrichtendienste:

  • Der SWR mit mehr als 13.000 Mitarbeitern ist für zivile militärische Objekte und Themen (speziell für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft/Technologien) zuständig,
  • der GRU mit etwa 12.000 Mitarbeitern interessiert sich für das gesamte militärische Spektrum, insbesondere für neue Technologien in der Entwicklung und im Einsatz.

Der russische Inlandsnachrichtendienst Föderaler Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation (FSB) gewinnt im Rahmen globaler Wirtschaftsbeziehungen zunehmend an Bedeutung. Vor allem die Reisen von Ausländern nach Russland lassen eine risikolose Ansprache auf eigenem Territorium zu. Dem FSB sind alle Grenztruppen angeschlossen, sodass bereits bei der Einreise „Vorabkontrollen“ möglich sind. Die Personalstärke des FSB beträgt etwa 350.000 Mitarbeiter, von denen über 200.000 mit Grenzschutzaufgaben betraut sind.

 

Vorgehen der russischen Nachrichtendienste im Ausland

Bevorzugte Methoden der Informationsgewinnung sind die offene Beschaffung und das Abschöpfen von Informationen durch eine konspirative Verbindung. Ein Netz von Kontakten zu Gesprächspartnern aus allen Aufklärungsbereichen ermöglicht die offene Informationsbeschaffung.

 

Unter diplomatischer oder journalistischer Tarnung besuchen Nachrichtendienstangehörige Messen, Symposien, Vorträge und Firmen.

 

Der Kontakt zu Zielpersonen, die für eine mittel oder langfristige Nutzung als Informationsquelle geeignet erscheinen, wird schrittweise in eine konspirative Verbindung geführt. Durch die Einführung konspirativer Regeln, z. B. bei der Treffabsprache, die Ausdehnung von Beschaffungsaufträgen auf sensibles Material und finanzielle Zuwendungen oder außergewöhnliche Vergünstigungen für erledigte Aufträge wird für die Zielperson der nachrichtendienstliche Charakter der Verbindung deutlich.

 

Methoden aus dem Kalten Krieg – Spionageprozess vor dem OLG Stuttgart

Dass russische Nachrichtendienste auch weiterhin klassische Spionagemethoden einsetzen und ihre Operationen aufwendig vorbereiten zeigt, der Fall des russischen Paares, das im Jahre 2011 in Hessen festgenommen und im Jahre 2013 wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit vom OLG Stuttgart zu Freiheitsstrafen zu 6,5 bzw. 5,5 Jahren verurteilt wurden.

 

Die Eheleute reisten Ende der 1980er Jahre aus Südamerika kommend in Deutschland ein und lebten über 20 Jahre mit falscher, österreichischer Identität in Baden-Württemberg und Hessen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere  solcher sogenannte "Illegale" sich in Deutschland aufhalten.