LfV gestaltet pädagogischen Tag

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen hat für die Lehrkräfte an Hessens größtem Gymnasium einen pädagogischen Tag gestaltet. In zehn Präventions-Workshops informierten Verfassungsschützerinnen und Verfassungsschützer über extremistische Phänomene. Auch LfV-Präsident Robert Schäfer steuerte einen Vortrag bei.

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Präventions-Workshop an der Karl-Rehbein-Schule Hanau
Präventions-Workshop an der Karl-Rehbein-Schule Hanau

Als das Video der Identitären Bewegung (IB) vorbei ist, beginnt unter den Lehrerinnen und Lehrern der Karl-Rehbein-Schule eine engagierte Diskussion. Mit dem sechsminütigen Film hat die IB, die vom Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen als rechtsextremistisch eingestuft wird, eine ihrer Aktionen dokumentiert. Eine Lehrerin im Stuhlkreis fühlt sich durch die Vorgehensweise der Extremisten, die in dem Video eine linke Universitätsveranstaltung stören, an die frechen Aktionen des TV-Moderators Stefan Raab erinnert. „Ich kann mir schon vorstellen, dass unsere Schüler so ein Video cool finden und sich erst einmal angesprochen fühlen“, sagt sie. Einer ihrer Kollegen zeigt sich erstaunt über die Professionalität des Films und hebt die gelungene Kameraführung hervor.

Referent Sven Daniel vom „Kompetenzzentrum Rechtsextremismus“ des LfV Hessen stellt dann aber unmissverständlich klar, dass die IB, die mit ihren Videos gezielt junge Menschen anspricht, eindeutig rechtsextremistische Ziele verfolgt. Anhand von Bildern und weiteren Videos erläutert er die Strategien der neurechten Bewegung, die sich von anderen rechtsextremistischen Gruppierungen und deren Vokabular abgrenzt, um ihre Anschlussfähigkeit an die sogenannte Mehrheitsgesellschaft zu vergrößern.

Der Workshop des Verfassungsschützers Sven Daniel war nur einer von insgesamt zehn Workshops, die das LfV Hessen am 17. Mai 2018 an der Karl-Rehbein-Schule durchführte. Im Rahmen seiner Präventionsarbeit bietet das LfV schon seit dem Jahr 2009 Lehrerfortbildungen an, die vom Institut für Qualitätsentwicklung des Hessischen Kultusministeriums zertifiziert sind. An der Karl-Rehbein-Schule gestaltete das LfV Hessen nun erstmals einen kompletten pädagogischen Tag. Insgesamt zehn LfV-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter besuchten das Gymnasium, um fachkundig über Islamismus, Antisemitismus, Links- und Rechtsextremismus sowie über Extremismus mit Auslandsbezug zu informieren.

Zu Beginn des pädagogischen Tages sprach Robert Schäfer, Präsident des LfV Hessen, vor den insgesamt gut 120 anwesenden Lehrkräften über die Aufgaben und Befugnisse des hessischen Verfassungsschutzes. Er betonte die herausragende Bedeutung, die den Schulen bei der Sensibilisierung für extremistische Phänomene zukomme, da sich Verfassungsfeinde vor allem an Heranwachsende richteten. Die Ansprache von Jugendlichen sei heute leichter als früher, weil diese fast alle das Internet und soziale Netzwerke nutzten. Schäfer kündigte an, dass das LfV Hessen sein Engagement im Hinblick auf Lehrerfortbildungen weiter intensivieren werde.

Als Leiter der Karl-Rehbein-Schule mit insgesamt 1800 Schülerinnen und Schülern zeigte sich Jürgen Scheuermann erfreut und dankbar über den Besuch des LfV Hessen. Vor die Wahl mehrerer Themen für den pädagogischen Tag gestellt, hätten sich insgesamt etwa 70 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer für das Thema „Extremismus“ und die Einladung des hessischen Verfassungsschutzes ausgesprochen. Scheuermann berichtet von einem offenbar antisemitisch motivierten Übergriff von Schülern einer benachbarten Schule vor einigen Monaten. Die Täter hätten eine israelische Fahne herausgerissen und bespuckt. Schon damals habe die Schulleitung sich an das LfV Hessen gewandt und kompetente Beratung erhalten.

Eva Kauke, Deutschlehrerin der Karl-Rehbein-Schule, zeigte sich nach dem Besuch des Workshops zum Thema Rechtsextremismus zufrieden und gut informiert: „Ich habe viele Ansatzpunkte für die Beschäftigung mit dem Thema Rechtsextremismus im Unterricht erhalten.“ Dass der Rechtsextremismus heute mitunter „intellektuell und nicht mehr so platt“ daherkomme, sei ihr nicht bewusst gewesen. Schüler dazu zu bringen, gegen das Gelächter anzugehen, wenn zum Beispiel ein antisemitischer Witz gemacht wurde, hält sie für ein äußerst wichtiges Bildungsziel.

Schulen, die Interesse an Lehrerfortbildungen haben, können sich telefonisch unter der Nummer 0611-720404 oder per Mail an praevention@lfv.hessen.de an das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen wenden.